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Meinungen, Hintergründe

Plastikmodellbau im kritischen Focus

JG 400: „Rote 13“ und „Blaue 4“ (eine Glosse)

Go 229 1/72 von Revell

Revell 04312.jpg

Anfang 1945, Oranienburg bei Berlin:

Das unbewaffnete V-2 Muster der Horten Ho IX (Go 229) rollte am 2. Februar 1945 an die Startlinie des Werksflugplatzes. Ltn. Erwin Zeller lässt die zwei Jumo-Turbotriebwerke warmlaufen. Mit einem Kopfnicken bestätigt er die Funktionsfähigkeit der Triebwerksanzeigen und gleichzeitig erhoffte er die Freigabe zum Start durch das Bodenpersonal. Langsam fährt er die Triebwerke hoch, bis die Maschine zu rollen beginnt. Nach ca.120m hebt die Maschine kraftvoll ab und verschwindet schnell in den tief liegenden Wolkenfeldern. Nur das Dröhnen der Jumo-Triebwerke ist noch zu hören.

Bauplan.gif

Nach 30 Minuten schwebt die Horten IX mit gedrosselten Triebwerken zur Landung ein. Mit erschöpften Gesicht und gezwängtem Lächeln bestätigt er den erfolgreichen Flug. Die Tauglichkeit zur Truppenerprobung wurde damit eingeleitet.

 

Im Juni 1945 erhalten die restlichen in Husum stationierten Staffeln des JG400 diesen neuen Flugzeugtyp. Unter anderem ist Oberleutnant Bär („rote 13“), der Staffelkapitän der 2./ JG400, mit diesem neuen Flugzeug ausgestattet worden. Auch die 4./JG400 hat neben den neuen Ta 183 und Me 1111 die Go 229 erhalten. In einer großangelegten Aktion starten am Sommermorgen des 31. Juli 1945 gegen 4:30 Uhr alle Staffeln als Begleitschutz für die Evakuierung des Generalstabes der Luftwaffe und des Heeres aus der eingekesselten Reichshauptstadt nach Berlin-Tempelhof ....

Go229V.jpg

So oder ähnlich, wenn nicht - dann, hätte, könnte, sollte, wäre ....
jedenfalls habe ich den Eindruck gewonnen, dass man bei Revell Deutschland solche Fiktionen mit dem wiederaufgelegten Modell der Go 229 einem wirklich phantastischen Modell im Maßstab 1/72 - unterstützt. Gefährliche Ansichten lassen sich damit erzeugen, gewollt oder ungewollt. Derjenige, der diesen Unsinn in der Bauanleitung, bei den Abziehbildern und dem Deckelbild des Kartons recherchiert und zur Freigabe gebracht hat, sollte diese Glosse ein Lektion sein.
Deutschland tut sich schwer mit seiner Vergangenheits- bewältigung, da sind solche Action- und Abziehbilder sowie Bemalungsvorschläge Wasser auf die Mühlen von rechten Gedankengut. Ich habe schon mehrfach darauf verwiesen, dass diese Modelle (V-Muster und Projekte) bei unseren jungen Modellbauern gefährliche Gedanken aufkommen lassen, wenn kein sauberer Umgang mit Hintergrund und Darstellung unterstützt wird. Diese Generation kann sich ja nicht mal an die Mauer, an die DDR oder Ähnliches erinnern. Die Schule vernachlässigt haarsträubender Weise den tiefgründigen Umgang mit deutscher Geschichte, mit den Geschehnissen des 2. Weltkrieges, der Rolle des ehemaligen Deutschen Reiches und seiner Verbrechen, die dieser Krieg entstehen ließ. Ebenso vernachlässigt werden ingenieurtechnische Leistungen dieser Zeit, die bereits im Vorfeld der Kriegen –also vor 1939 !- entstanden sind.
Wenn man sich solcher Flugzeugtypen annimmt, warum dann nicht in originalgetreuer Darstellung, mit holzfarbenen Grund, alufarbenen Beplankungen etc. Von mir aus auch mit Wartungs- und Betankungshinweisen und Hoheitszeichen. Aber die aktuelle Ausgabe ist weder für eine wahrheitsgetreue Wiedergabe noch zur Belehrung und Aufklärung geeignet. Ob man sich da in der Chefetage Gedanken gemacht hat oder waren nur Umsatz und Absatz von Interesse. Als Hauptsponsor des DPMV hat Revell eine Vorreiterrolle übernommen, aber mit dieser „Action“ausgabe alles ins Gegenteil verkehrt.

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